Gemeinsam das Ziel vor Augen
Der Almesbacher Elterntag
von dem Studierenden Michael Strobel

Traditionell um Lichtmess, dem Tag des Dienstbotentausches, findet der Almesbacher Elterntag statt. Gemeinsam auf dem landwirtschaftlichen Betrieb zu leben und zu arbeiten, ist ein Privileg, aber auch eine Herausforderung für die Generationen. Wenn die Hofnachfolger nach erfolgreich abgeschlossener Aus- und Fortbildung in den Betrieb einsteigen, ist es deshalb umso wichtiger, sich vorher mit den gegenseitigen Erwartungen auseinandergesetzt zu haben. Hierfür gibt der Elterntag der Höheren Landbauschule wertvolle Impulse.

Beim Elterntag 2018 besuchten die Eltern der Studierenden den Schulort, um diesen besser kennenzulernen. Hauptthema des Elterntags in den Diskussionsgruppen war die Hofübergabe.
Tierischen Bereich in almesbach kennegelernt
Nach erstem Kennenlernen der Eltern und Studierenden begrüßte Schulleiter Helmut Konrad die Teilnehmer des Elterntags. Anschließend begann der Hofrundgang in zwei getrennten Gruppen. Die erste Gruppe führte Helmut Bamler. Er ist zuständig für die Milchviehhaltung und zeigte den Besuchern den tierischen Bereich des Betriebs Almesbach. Begonnen wurde mit dem für Trockensteher und abkalbende Kühe umgebauten Bullenmaststall. Im 2011 gebauten Kälberstall wurde vor Kurzem ein neuer Tränkeautomat für die Kälberfütterung installiert, um den Standard der Digitalisierung und Vernetzung auf dem Betrieb zu heben. Im Milchviehstall konnten die Teilnehmer die Herde von einer Plattform aus beobachten.
Energieerzeugung
Herr Konrad führte die andere Gruppe zur Energieerzeugung. Die Führung startete mit der Hackschnitzelheizung und führte zur Photovoltaikanlage. Ein Teil des erzeugten Stroms wird direkt am Hof gespeichert. Der Betrieb ist dafür mit Blei- und Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet. Zum Schluss der Führung wurden die hofeigene Biogasanlage und das Privatauto von Herrn Konrad mit reinem Elektroantrieb vorgestellt.
Gruppenarbeit zu gegenseitigen Erwartungen
Nach dem Betriebsrundgang ging es um das Tagesthema. Klassenleiterin Judith Schlosser erläuterte den Arbeitsauftrag für die Mütter, Väter und Studierenden. Sie sollten erarbeiten, welche Erwartungen sie an ihre Kinder bzw. an ihre Eltern hätten, damit die Zeit mit der Familie und dem Betrieb nach der HLS zum Erfolg wird. Mütter, Väter, Töchter und Söhne wurden in drei Räume aufgeteilt, um Gedanken an eine Pinnwand zu heften. Je ein Sprecher pro Arbeitsgruppe stellte dann die Gedanken vor. Überraschend war, dass die Ergebnisse der getrennten Gruppenarbeit sehr ähnlich ausfielen. So fanden sich z. B. getrennte Wohnungen, Absprache von Betriebsabläufen und Übertragung von Verantwortung auf allen Pinnwänden wieder. Dadurch wurde offengelegt, dass die Erwartungen und Wünsche sehr ähnlich sind. Die nötige Kommunikation untereinander würde zu einem Erfolg führen.
In den Betrieb hineinwachsen
Nach der Gruppenarbeit berichtete Praktiker Martin Fütterer über seine Hofübernahme von seinem Vater, der sich an diesem Tag krankheitsbedingt entschuldigen musste. Er erklärte, dass eine Hofübergabe bzw. eine -übernahme nicht von heute auf morgen funktioniere. Man müsse hineinwachsen und Verantwortung Stück für Stück übertragen, um die Übergabe möglichst weich über die Bühne zu bringen.
Hofübergabe gut vorbereiten
Der Geschäftsführer des BBV Tirschenreuth Ulrich Härtl zeigte auf, welche Probleme und Schwierigkeiten eine Hofübergabe mit sich bringen kann. Er berichtete von Hofübergaben, die er in seinem Berufsleben betreut hat. Wichtig sei, dass die Hofübergabe gut geplant und nicht überstürzt werde. Zu lange sollte man auch nicht warten, um den Nachfolger nicht aus dem Betrieb auszugliedern. Eine gut geplante Hofübergabe erleichtere beiden Parteien einen guten Start in das weitere Berufs- und Unternehmenslebens.
Beratung für bäuerliche Familien
Der letzte Redner, Harald Staudinger, stellte die Beratung für bäuerliche Familien der Diözese Regensburg vor. Lösungswege bei Problemen in der Familie, Betrieb oder Partnerschaft können hier kostenfrei telefonisch oder bei einem persönlichen Gespräch besprochen werden. Die Beratungen sei flexibel in Dauer und Ort beanspruchbar und stelle ein wertvolles Angebot für bäuerliche Familien dar, die Hilfe benötigen.

Beratung für bäuerliche Familien - KLB Regensburg Externer Link