Studierende der HLS Almesbach beim Oberpfälzer Milchviehtag
von dem Studierenden Martin Härtl

Kuh schaut durch Stallfenster

Die Studierenden der Höheren Landbauschule HLS Almesbach haben im Oktober 2017 den Oberpfälzer Milchviehtag besucht, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner getroffen und Vorträge gehört.

Zu Beginn seiner Rede stellte Minister Brunner klar, dass Prognosen für die Zukunft schwierig seien. Deshalb sei es von großer Bedeutung, dass die bayerischen Betriebe optimale Rahmenbedingungen für ihre Zukunft setzen würden. Durch die Analyse von Märkten und der Ausrichtung des Produktionszweiges könnten die richtigen Weichen für die Betriebe gestellt werden und so das Einkommen gesichert werden.
Momentan sei die wirtschaftliche Lage der Höfe eher positiv zu bewerten. Eine bessere Wertschätzung des Milchfetts in der Milch, sowie gute Absatzmöglichkeiten bei Schlachtvieh und die steigende Nachfrage nach Zuchtvieh belegten, dass unsere Betriebe hohe Standards erfüllen und auf Qualität setzen.
Gesättigter Markt
Trotzdem sei der Markt ziemlich gesättigt. Dieses Problem werde durch den momentan guten Auszahlungspreis nur verstärkt, wobei aber die Gefahr einer nächsten Milchkrise durchaus bestehe. Brunner mahnte die Landwirte, sich der Sache bewusst zu sein, dass jeder Einzelne einen Beitrag zur Anlieferungsmenge beitragen könne. Einzelbetrieblich gesehen sei Kraftfuttereffizienz, das Ausmerzen alter Kühe und die hochwertige Milch zum Vertränken der Kälber Maßnahmen, mit denen jeder einen kleinen Beitrag leisten könne, die Milchmenge am Markt zu drosseln.
Milchmarkt stabilisieren
An Brüssel appellierte der Landwirtschaftsminister eindringlich, endlich Instrumente einzuführen, um den Milchmarkt zu stabilisieren. Dies könnte durch Frühwarnsysteme und eine Waren-Termin-Börse umgesetzt werden. Außerdem bemängelte er, dass egal ob wenig oder viel abgeliefert wird, immer der gleiche Auszahlungspreis zu Stande käme. Er sehe hier Potential durch mengengebundene Preise die Milchmenge zu reduzieren, um so bessere Preise für den Einzelnen erzielen zu können. Außerdem bemängelte er die ablehnende Haltung über die Milchquote. Einen Weg aus diesem Fahrwasser sehe Brunner nur auf EU-Ebene, um die Milchmenge auf den Markt reduzieren zu können.
Trotz alledem ermunterte er die Landwirte. Sie würden höchste Qualität erzeugen, Arbeitsplätze sichern, pflegen die Kulturlandschaft und stärken unseren ländlichen Raum. Deshalb legen sie viel Wert auf Tierwohl, Umweltschutz und sorgen für frische Produkte in ihrer Umgebung. Dies müsse der Bürger auch wertschätzen und die Bereitschaft zeigen, die Preise für ihre Produkte auch zu bezahlen. Um den Bezug zu den Produkten besser herstellen zu können, setzt Brunner auf frühe Aufklärung in der Schule. Er wünscht sich, dass jedes Kind einen Tag auf einem Bauernhof verbringen könne.
Vorhandene Vertragsstrukturen machen es dem Einzelhandel zu leicht
Das Bundeskartellamt ist eine unabhängige Behörde. Sie soll verhindern, dass einzelne Konzerne den Markt komplett beherrschen. Birgit Krueger bemängelte in ihrem Vortrag, dass die vorhandenen Vertragsstrukturen zwischen Molkereien und Landwirten dem Einzelhandel bekannt seien. Das erleichtere letzterem die Preisgestaltung. Sie forderte eine geringere Preistransparenz, um bessere Konditionen für die Molkerei und den Landwirt zu erzielen. Sie forderte alle Beteiligten auf, Preise und Mengen in Verträgen besser zu verordnen, um einen Schritt in Richtung Managementplan zu machen.
Landwirte müssen mehr für ihre Akzeptanz in der Gesellschaft tun
Professor Dr. Alfons Balman, Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) und Leiter der Abteilung Strukturwandel regte an, dass die Landwirtschaft durch hohe Direktzahlungen und der Privilegierung im Bauwesen immer mehr in die Kritik geraten würde. Vorhandene Strukturen ändern sich schlagartig. Somit verändern sich Kapital und Wissenstand in der Bevölkerung ständig und die Globalisierung schreite immer weiter voran. So rücke die Landwirtschaft immer weiter ins Negative, da die Medien die Themen Tierwohl, Düngung und Treibhausgase so stark kritisieren, wie noch nie zuvor. Balman bezeichnete die Landwirtschaft in weiten Teilen als Trittbrettfahrer, da viele Betriebe zu klein seien und ihre Sichtbarkeit für die Bevölkerung nicht großartig auffalle.
Des Weiteren bemängelte er die geringen Gewinne der einzelnen Höfe, die keine großen Spielräume für Investitionen zuließen, um den Ansprüchen der Verbraucher gerecht zu werden. Er stellte auch fest, dass alle Betriebsleiter stolz auf ihre Höfe seien und ihre Arbeit mit viel Engagement ausführen würden. Deswegen forderte er in seinem Vortrag die Bauernschaft auf, diese Leidenschaft auch nach außen zu tragen, um mehr Nähe zur Bevölkerung aufzubauen und letztendlich auch für Vertrauen bei landwirtschaftlichen Produkten zu sorgen. Am Ende seiner Ausführungen appellierte er deutlich an die Landwirtschaft, indem er klar stellte, dass nicht nur Förderungen und Gesetze den Betrieben helfen, sondern jeder Einzelne müsse aktiv werden und mehr auf die Leute zu gehen. Das Romantisieren von Problemen auf den einzelnen Höfen bringe niemanden etwas so Balmann. Nur wenn Mythen aus der Welt geschafft werden und sie sich der Öffentlichkeit stellen, z. B. durch einen Tag der offenen Tür können sie wieder Nähe zur Bevölkerung gewinnen und verlorenes Vertrauen wieder aufbauen.
Moderne Laufställe und Tierwohl kommen beim Verbraucher sehr gut an
Wie das gelingen kann, stellten zwei Praxisbetriebe (Wolfgang Kürzinger Milcherzeuger aus Prosdorf im Landkreis Cham und Florian Götz Milcherzeuger aus Großaltfalterbach im Landkreis Neumarkt) in ihren Vorträgen vor. Bei allen beiden erkannte man die Leidenschaft, mit der sie ihren Beruf ausüben und wie sehr ihnen ihre Tiere am Herzen liegen. Sie halten ihre Kühe in modernen Laufställen und setzen auf genügend Auslaufmöglichkeiten an der frischen Luft. Sie berichteten über ihre Erfahrungen wenn Leute zu Besuch auf ihren Höfen sind, welche schöne Erfahrung es sei, wenn es den Leuten gefalle, wie die Tiere gehalten werden und den Landwirt auch selbst beflügelt, solche positiven Meinungen hören zu dürfen. Sie ermutigten alle anderen Landwirten auch mehr die Nähe zu den Bürgern zu suchen, da diese immer sehr von den Tieren angetan seien, positives Feedback geben und einfach auch froh seien, dass sie dies auch einmal sehen durften.