So abwechslungsreich kann eine Fahrt zur Agritechnika sein
Büffel, Käse, Salzkristalle
von den Studierenden Daniela Müller und Josef Marzi

Im November 2017 machte sich die HLS-Almesbach zusammen mit dem 1. Semester der Landwirtschaftsschule Weiden und ehemaligen Schülern der HLS, auf den Weg einer dreitägigen Lehrfahrt nach Hannover.

Erster Halt der 37-köpfigen Gruppe war das Landgut Chursdorf, auf dem Büffel gehalten werden. Zu Beginn der Führung wurden den Besuchern die Grundlagen der Büffelhaltung näher gebracht. Die Teilnehmer erfuhren, dass diese eine eigene Tierart und -Gattung darstellen. Aufgrund der betrieblichen Gegebenheiten wurde 1999 mit drei Tieren in Chursdorf mit der Haltung begonnen. Ausschlaggebend hierfür waren die nassen Grünlandflächen des Betriebs, welche fortan durch die Büffelhaltung verwertet werden sollten. Weiterhin war die geringe Krankheitsanfälligkeit der Tiere mit entscheidend. Heute umfasst der Betrieb ca. 200 Tiere und eine eigene Hofkäserei, in der die eigens produzierte Milch weiterverarbeitet wird.
Besuch auf dem Landgut Chursdorf
Bei dem Hofrundgang konnte sich jeder Teilnehmer ein Bild der Tiere machen und diese aus der Nähe betrachten. Im Anschluss wurden wir zu Mittag mit Büffelgulasch verpflegt, das vom Betrieb eigens serviert wurde. Zum Abschluss der Besichtigung wurde den Besuchern die Hofkäserei vorgestellt und gezeigt. Derzeit werden alle zwei Tage ca. 200 Liter Büffelmilch verarbeitet. Der Produktionsumfang richtet sich nach Saison. So werden immer abgestimmt Frischmilch, Frischkäse, Mozzarella und verschiedene Käsesorten hergestellt. Die Fleisch- und Wurstverarbeitung erfolgt nicht im eigenen Betrieb. Die Vermarktung der Büffelprodukte läuft über den Hofladen, ein Verkaufsauto und in regionalen Supermärkten. Am Ende des Besuches bedankte sich die Gruppe für die Führung und die Verköstigung und überreichte Geschenkkörbe mit heimischen Produkten. Dann ging die Fahrt weiter nach Hannover.
Betriebsbesuch bei Osterland Agrar GmbH
Auf der Lehrfahrt besichtigten die Studierenden nachh Hannoverauch die Osterland Agrar GmbH. Bei der Ankunft begrüßte uns der Betriebsleiter und stellte uns seinen Betrieb vor. Das landwirtschaftliche Unternehmen befindet sich in der Nähe von Leipzig. Die ehemalige LPG wurde nach der Wende in eine GmbH umgewandelt. Produktion und Verarbeitung erfolgt auf acht Betrieben. Die betrieblichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Pflanzen- und Tierproduktion, Bioenergie, Lager und Verarbeitung.
Viele Standbeine
Angebaut werden im Betrieb Rüben, Mais, Weizen, Gerste, Ackergras, Luzerne, Raps, Kartoffeln, Zwiebeln und Grasvermehrung. Die Ackerflächen haben durchschnittlich 55 Bodenpunkte. Dabei liegt die Spanne zwischen 30 und 100 Bodenpunkten. Im Jahr fallen durchschnittlich 660 mm Niederschlag. Die Kartoffeln werden bewässert, um den Ertrag sicherzustellen. Auf dem Betrieb stehen ca. 800 Milchkühe, der Neubau eines Stalles ist in Planung. Gemolken wird einem zweimal im 15 Side-by-Side-Melkstand. Die Milch wird in der betriebseigenen Molkerei zu Käse, Flüssigerzeugnissen und Spezialprodukten verarbeitet. Die Milchherstellung erfolgt nach QM-Standard. Einmal im Monat findet eine Mitarbeiterschulung statt. Es sind drei Biogasanlagen vorhanden. Sie haben eine elektrische Leistung von ca. 540 kW. Der Betriebsleiter setzt auf viele Standbeine, um das Unternehmen aufrecht zu erhalten und um die Arbeitskräfte in der Umgebung einzusetzen, damit diese nicht in die Städte abwandern. Auch beim Thema Öffentlichkeitsarbeit scheut er keine Mühen. Jedes Jahr wird ein Hoffest abgehalten.
Besuch der Agritechnica 2017
Im Mittelpunkt der Lehrfahrt im November stand der Besuch der weltgrößten Landtechnikmesse. Rund 2.800 Aussteller stellten ihre neuesten Produkte auf der Messe vor, davon waren 60 Prozent ausländische Firmen. Etwa 450.000 Besucher zählte die Messe, wobei ca. 100.000 aus den Niederlanden, Dänemark, Schweiz, Italien und Österreich kamen. Auch aus Nordamerika, Osteuropa, Asien und Afrika waren Interessierte angereist. Anstehende Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen sorgen dafür, dass die Besucher auf die Messe fahren, um sich umfassend beraten zu lassen und um Maschinen vor Ort zu vergleichen.
Digitalisierung in der Landwirtschaft
700 Aussteller zeigten die neuesten Lösungen, wie Connectivity auch in der Landwirtschaft einzusetzen ist. Die diesjährige Agritechnica stand unter dem Motto: „Green Future-Smart Technology". Vor allem im Bereich der Pflanzenproduktion mit all den elektronischen Sensoren wird die Digitalisierung spürbar. Die jungen Leute nutzten auch die angebotenen Informationsveranstaltungen wie "Werkstatt Live", "Campus & Career". Die Eintrittskarten für die "Young Farmers Party" waren schon wochenlang zuvor ausverkauft. Das Fazit der Gruppe: Die Agritechnica ist und bleibt eine fachlich sehr ansprechende Messe.
Besuch des K+S Bergwerks in Merkers
Auf der Rückfahrt besuchte die Gruppe das Erlebnisbergwerk in Merkers. Nach der Begrüßung durften sich alle mit einer blauen Arbeitsjacke und einem Helm bekleiden. Anschließend sauste die Truppe mit einem Förderkorb mit rund 20 km/h in 800 m Tiefe. In der "Teufe", wie die Bergleute zur Tiefe sagen, herrschen Temperaturen von 19 bis 29 ° C. Unten angekommen erklärte der Gruppenführer sehr anschaulich, wie die Kali- und Salzvorkommen durch Austrocknung des Flusses Werra unter den Hügeln der Rhön in Jahrmillionen Jahren entstanden sind. Nach dem Besuch des Museums, in dem Arbeitsgeräte und Fahrzeuge stehen, stand eine rasante Fahrt in allradbetriebenen Fahrzeugen durch das Bergwerk an.
Bei der Tour durften die Teilnehmer auch bei einer Sprengung zusehen, die natürlich simuliert wurde, denn bei einer Sprengung live dabei zu sein ist viel zu gefährlich. Eine beeindruckende Station war auch der Goldraum. In diesem wurde zum Ende des zweiten Weltkrieges wertvolle Gold-, und Museumsgegenstände eingelagert. Anschließend fuhren die Besucher zur Kristallgrotte. Diese Kammer wurde erst 1980 entdeckt. Darin befinden sich Steinsalzkristalle in unterschiedlichen Größen. Mit Farben und passender Musik werden die Kristalle beeindruckend in Szene gesetzt. Die faszinierende Kristallgrotte mit ihren funkelnden Salzkristallen bietet einen atemberaubenden Anblick. Die letzte Station war der Großbunker. Hier steht der weltweit größte unter Tage eingesetzte Schaufelradbagger. In der Kammer befindet sich der größte Konzertsaal unter Tage. Bevor es wieder über Tage ging durften wir eine Lasershow im Großbunker bestaunen. Oben angekommen erhielten die Teilnehmer als Abschiedsgeschenk eine kleine Dose Sonnensalz. Die Teilnehmer waren sich einig, es war ein beeindruckendes Erlebnis, einmal in die Welt der Bergleute einzutauchen.